Die 12 Prinzipien der Animation

Anna_Stornig
22.08.18 | Anna Stornig

„Disney’s Nine Old Men“: Eine Gruppe von Zeichentrick-Legenden setzten sich Ende der 1920er bis Mitte der 1930er Jahre zum Ziel, ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Mit Erfolg! „Disney’s Nine Old Men“ sind nicht mehr aus der Animationsgeschichte wegzudenken, denn sie waren es, die den geliebten Animationsstil Disney’s prägten.

Im Jahr 1981 veröffentlichten Ollie Johnston und Frank Thomas (zwei der „Nine Old Men“) das Buch The Illusion of Life – Disney Animation und haben damit ihren Animationsstil in zwölf Prinzipien auf den Punkt gebracht! Diese Prinzipien haben sich mittlerweile als theoretische Grundlage vieler Animationstechniken durchgesetzt und lauten wie folgt:


1. Squash & Stretch (Quetschen & Strecken)

First things First.

Das erste und wohl wichtigste Prinzip der Animation verleiht einem Objekt die Illusion von Schwerkraft, Gewicht, Material oder Flexibilität. Squash und Stretch kann auf einfache Objekte (einen springenden Ball) oder komplexere Objekte (ein Gesicht) angewendet werden. Dabei ist zu beachten, dass das Volumen des Objektes stets gleich bleibt.



2. Anticipation (Ausholen oder Vorwegnehmen)

Um Zuseher auf eine Handlung vorzubereiten werden Hauptbewegungen immer mit Gegenbewegungen eingeleitet. Bewegungen werden so besser lesbar und wirken gleich viel natürlicher und dynamischer.



3. Staging (Inszenierung der Posen)

Was, wann, wo, wer? Staging lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums auf die wichtigsten Elemente einer Szene. Wenn in einer Szene zu viel auf einmal passiert, geht die Pointe verloren. Beim Animieren sollte man deshalb darauf achten, Objekte sinnvoll in Szene zu setzen.



4. Straight Ahead & Pose-to-Pose

Bei „Straight Ahead“ und „Pose-to Pose“ handelt es sich um zwei verschiedene Zeichenprozesse. Straight-Ahead-Szenen zeichnet man Bild für Bild, während man bei Pose-to-Pose-Szenen ein Start- und Endbild zeichnet und erst danach die Lücken füllt. „Straight Ahead“ eignet sich gut für dynamische Animationen wie Feuer oder Wasser. Bei „Pose-to-Pose“ hat man mehr Kontrolle über eine Bewegung.



5. Follow Through & Overlapping Action (weiterführende und überlappende Bewegung)

Physikalisch gesehen folgen unbelebte Elemente (Haare oder Stoff) zeitversetzt der Hauptmasse (Kopf, Körper). Also nicht vergessen: Immer die Gesetze der Fliehkraft im Kopf behalten!



6. Slow In & Slow Out (Beschleunigung und Abbremsung)

Natürliche Bewegungen beginnen meist langsam, beschleunigen dann und werden zum Ende wieder langsam. Wendet man dieses Prinzip nicht an, wirkt eine Bewegung abrupt und unnatürlich. In der Umsetzung bedeutet dies, dass am Anfang und Ende einer Bewegung mehr Bilder gezeichnet werden als in der Mitte.



7. Arcs (Bewegungsbögen)

Grundsätzlich bewegen sich Lebewesen nicht linear, sondern eher bogenförmig, meist um ein Gelenk. Um harmonische Übergänge zu erzeugen sollte ein/e Animator/in also immer mit Bewegungsbögen arbeiten. Ausnahme der Regel sind allerdings mechanische Bewegungen, die typischerweise linear verlaufen.



8. Secondary Action (zweitrangige oder unterstützende Bewegung)

Unterstützende Bewegungen sind essenziell, um im Publikum Emotionen zu wecken. Zweitrangige Bewegungen betonen eine Hauptaktion und sollten dieser nicht die Show stehlen.



9. Timing (Bewegungsdauer)

Timing is everything!

Es gilt: Je mehr Frames (Bilder) zwischen Start- und Endbild einer Szene, desto langsamer die Szene und umgekehrt. Timing ist ebenfalls entscheidend, um die Persönlichkeit oder Stimmung eines Charakters zu kommunizieren.



10. Exaggeration (Übertreibung, Karikatur)

Manchmal muss man einfach ein bisschen dick auftragen! Posen und Bewegungen von gezeichneten Figuren müssen oftmals übertrieben dargestellt werden, um realistisch und überzeugend zu wirken.



11. Solid Drawing (solides Zeichnen)

Ich sag nur: Throwback zum Zeichenunterreicht.

Grundsätzlich muss man beim Animieren ein gutes Gespür für Illustration haben. Eine korrekte Perspektive, richtige Körperproportionen und das Körpervolumen müssen in der Bewegung erhalten bleiben. Consistency is key!



12. Appeal (Charisma, Charme und Reiz)

Last but surely not least!

„To appeal“ soll nicht heißen, dass alles schön oder reizend sein muss, sondern, dass jeder Charakter ansprechend sein soll. Ein Charakter muss für das Publikum interessant wirken, um nicht unterzugehen. Dabei gilt: Unwichtige Details vermeiden und auf die Hauptattribute des Charakters eingehen.



Falls jemand von euch auch gerade an einer Animation tüftelt hoffe ich, dass euch die zwölf Prinzipien der Animation behilflich sein konnten. Wenn ihr mehr Informationen dazu braucht, dann meldet euch einfach! :)



Voriger Blogeintrag
Nächster Blogeintrag