Die Anfänge des eSports

It's been a long way
christoph.zenk
30.01.18 | Christoph Zenk

Es ist 1996 meine Freundin ist weg und bräunt sich – so beginnen bekannte Zeilen. Meine Zeilen aus dieser Zeit würden ungefähr so beginnen: Es ist 1996, meine Freundin ist nicht existent und bräunt sich. Aber ich besitze immerhin meinen ersten PC inklusive Internet. Und einen Nickname: nice2you

Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich bei den Anfängen von eSport (elektronischer Sport) dabei bin. Für mich ist es das erste Mal, dass ich mich von zu Hause aus gegen die ganze Welt beweisen kann. Wie ich das mache? Ich spiele Quake – genauer gesagt Team Fortress.

Wir nennen das Spielen gerade… wer hätte das gedacht: einfach online Spielen. Unsere Deutschen Nachbarn hatten schon damals eine Vorliebe für den Begriff Zocken. Vom Begriff eSport sind wir noch weit weg, auch wenn er heute auch in der Wikipedia zu finden ist. Kleines Detail am Rande: einer der ersten Clans Österreichs (Clan = Team im eSport), der mit dem Begriff eSport in Österreich in Verbindung gebracht wird, ist plan-B (ehemals A4), der auch für die künftigen Jahre „mein“ Team sein sollte und es in meinem Herzen nach wie vor ist.

Wer zu dieser Zeit nicht dabei war, hat sich zumindest nie Dinge wie ein 56k Modem antun müssen oder eine Krankheit vortäuschen müssen, um am Vormittag noch mit einem extrem guten Ping von unter 150 zu spielen. Da könnte man sagen, dass die Spieler von heute in einer permanenten Komfort-Zone spielen können – aber ich gönn es ihnen ja.

Wenn ihr wissen wollt, wer damals richtig gut spielen konnte, dann waren das nicht die Leute mit der besten Hardware, sondern die Sys-Admins der diversen Internet-Firmen, die statt von zu Hause aus direkt aus ihrer jeweiligen Firma spielten. Leute mit einem Ping unter 10 musste man einfach hassen – oder sie schnell zu Freunden machen. Das waren – und sind vermutlich – die Leute, die auch heute noch das österreichische Netz unter Kontrolle haben.

Was tat sich von 1996 bis heute? Die Welt hat sich öfter gedreht, als man zählen kann – oder will. Begonnen hat die Professionalisierung auf jeden Fall mit den ersten Ligen für PC Spiele. Manche gibt es heute noch. Aber für die Spieler von damals will ich vor allem auf folgende Formate verweisen die mich geprägt haben:

crossconnect-blog-barrysworld

Barrysworld

crossconnect-blog-cpl-logo

CPL (gegründet 1997)

crossconnect-blog-clanbase

Clanbase


Natürlich gab es auch schon vor den glorreichen PC Zeiten Ligen, aber diese hier haben den online Bereich geprägt.

Die Formate, die damals bemüht waren und durchgehalten haben, sind auch jene, die heute den Ton angeben. Allen voran die ESL (Electronic Sports League). Streitet man sich heute um coole/kurze Spitznamen oder URLs (oder Nicknames) für Direkt-Links auf Facebook und Co, ging es damals darum, die niedrigste ID zu haben. Man könnte sagen: Prestige = niedrige ID. Es würde mich freuen vielleicht Links von Spielern mit IDs <10.000 zu sehen. Vielleicht kennt man sich ja noch.

Um vielleicht den Unterschied zwischen damals und heute etwas herauszustreichen, hier ein kleiner Ausschnitt aus meiner Biographie:


  • 1996 – 2003 aktiver Spieler in plan-B
  • 4 Jahre lang Nationalteam-Spieler (RTCW, ET)
  • 1x Voted for best player world-wide (Q3F – Scout)
  • 2x Barrysworld League Winner
  • Diverse publizierte Videos
  • Preisgelder gesamt für 7 Jahre eSport: ~90€ und eine Grafikkarte im Wert von 80€

Was passiert heute im eSport? Die Welt kommt langsam da an, wo wir sie uns eigentlich schon vor 20 Jahren gewünscht hätten. Wie kann man das verdeutlichen? Am besten mit harten Fakten und Zahlen:

Die Preisgeld Entwicklung der letzten Jahre lässt sich am besten am höchst dotierten Turnier weltweit beschreiben – „The International“ im Spiel Dota:

2014: 10,9 Millionen Euro
2015: 18,4 Millionen Euro
2016: 20,8 Millionen Euro
2017: 24,7 Millionen Euro

2018: Ich will es mir gar nicht vorstellen.

crossconnect-blog-esports-dota2

The International Dota 2 Championship


Die Internationalen Spieler verdienen mittlerweile auch etwas besser. Schaut man sich die „Highest Earnings“ der Einzelspieler an, dann sehen diese mittlerweile so aus:

crossconnect-blog-esports-dota2-top-player

Um auch einen Blick auf die besten Österreicher werfen zu können, muss man lange scrollen. Umso mehr freut es zu sehen, dass es hier noch immer ein Quake Spieler auf den ersten Platz schafft. Nämlich Richie „noctis“ Gansterer.

crossconnect-blog-dota2-best-austrian-player

Erwähnt sei hier noch, dass ich mich als plan-B Mitgründer freuen darf, dass sowohl Gore, als auch Papst – wenn auch nur kurz – für plan-B aktiv waren