Land der Förderungen

christoph.zenk
05.12.17 | Christoph Zenk

Österreich hat sicher sowohl Vor- als auch Nachteile. Aber alles in allem gehe ich hier jeden Tag gerne schlafen und wache auch gerne wieder auf. Da meine privaten Gedanken zu Österreich kaum jemanden interessieren werden, dachte ich mir, dass ich heute einmal den Aspekt „Förderungen“ aus Unternehmersicht etwas beleuchte.

Warum bilde ich mir ein, dass ich dazu ein gewisses Grundverständnis habe? Beide Start-Ups, bei denen ich Co-Founder bin, stünden heute nicht da wo sie sind, wäre da nicht die Förderlandschaft Österreich gewesen. Nach rund sechs aktiven Jahren als Founder, kann ich mich rückblickend über rund zehn Förderungen freuen, die uns geholfen haben aus Österreich heraus die Welt zu erobern.

Es gibt natürlich unzählige Förderungen. Ich möchte mich heute aber vor allem auf die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und dabei im Besonderen auf die Basisförderung konzentrieren, der ich viel verdanke. Interessanterweise gibt es für nicht Involvierte viele Vorurteile in Bezug auf Förderungen. Vielleicht kann ich ein paar davon beseitigen.


Was stellt die FFG Basisförderung in Aussicht?


Für innovative Projekte, die einen wissenschaftlichen Zugang haben und entsprechende Forschungsinvestitionen benötigen, können Förderungen eingereicht werden. Kommt es zu einer Zusage, dann stellt die FFG bis zu 70 % der Projektkosten zur Verfügung. 30 % der Projektkosten müssen über Eigenmittel dargestellt werden. Der Zugang: Ich definiere ein Projekt über eine Laufzeit von rund 12 Monaten, reiche einen (umfangreichen) Antrag ein, beschreibe die entstehenden Kosten und bekomme z.Bsp. bei Projektkosten von 500.000 € rund 350.000 € von der FFG.

Reaktion von Außenstehenden: und wieder verschenkt der Staat Geld an irgendjemanden.

Antwort darauf: ganz so einfach ist es nicht. Denn die FFG hat ExpertInnen, die sich die Projekte penibel ansehen. Außerdem gibt es ein paar Anforderungen die erfüllt werden müssen und die jedem/jeder GründerIn klar sein sollten:

  • 80-90 % der Projektkosten sollten in Österreich gemeldete angestellte MitarbeiterInnen sein
  • 30 % der Projektkosten müssen von den GründerInnen oder einem/einer InvestorIn getragen werden
  • Die max 70 %ige Förderung der FFG splittet sich (ungefähr) 50:50 in ein Darlehen und einen Zuschuss (bedeutet, dass im oben angeführten Beispiel rund 175.000 € ein Zuschuss sind)
  • Die Auszahlung der Förderung erfolgt über drei Tranchen: 50 % mit Projektstart, 30 % mit Einreichung des Zwischenberichts und 20 % mit Projektabschluss
    • Achtung an alle Gründer: Auszahlungen können auch je nach Auslastung der FFG um mehrere Wochen verzögert werden. Dieses Risiko muss in der Liquiditätsplanung beachtet werden. Die Auszahlung der Endtranche wird nur durchgeführt, wenn alle Anforderungen auch nachweislich erfüllt werden.


Also was bedeutet die Förderung konkret?


Der Standort Österreich wird unterstützt. Durch die Auflage der Fixanstellungen ergibt sich auch, dass Lohnnebenkosten entsprechend an den Staat rückgeführt werden und on Top muss Eigenkapitel in die Firma einfließen.

Da es genug Artikel zu Förderungen generell gibt, möchte ich aber im Abschluss noch ein Founder Statement abgeben, das meine Erfahrungen zusammenfasst: Die FFG bzw. die Zusage einer Förderung kann genutzt werden, um dem InvestorInnen zu kommunizieren, dass seine Einlage quasi verdreifacht wird – und das ohne Equity Verlust und direkten Eingriffsmöglichkeiten in die Entwicklung (dieses Argument konnte ich in der Vergangenheit immer sehr positiv bei Verhandlungen nutzen). Und der zweite Faktor ist auch nicht unerheblich: Erkennt man nach einem Jahr, dass keine Marktreife erreicht wird und das Produkt keine Chancen auf Erfolg hat, dann gibt es im Fall der Firmenauflösung keine Haftungen an die Founder. Ein Faktor, der wohl jedem, der es riskiert eine Firma aufzubauen helfen könnte seine Entscheidung zu treffen.

Die FFG sieht ihren Bereich dementsprechend als Risiko-Kapital. Auch wenn versucht wird nur erfolgsversprechende Firmen zu unterstützen gibt es Ausfallquoten. Dieses Risiko wird aber – zum Glück – genommen um vielleicht ein paar Firmen zu einer Größe zu verhelfen, um wirklich international mitmischen zu können.

Ich kann daher abschließend nur sagen: Neben den klassischen Anstrengungen als Founder (ihr kennt sie alle), muss ich mich bei den Möglichkeiten die ich durch die FFG hatte bei Österreich bedanken. Hoffen wir, dass sich das Vertrauen auch gelohnt hat ;)