Mein Fleckerlteppich

christoph.zenk
12.07.16 | Christoph Zenk

Ich kann nicht mehr ohne ihn. Sogar schon ziemlich lange nicht mehr. Er ist mein ein und alles. Die Rede ist von keinem Wagen, keinem Anzug von Welt, der mein Auftreten unterstreichen würde, oder Ähnlichem. Die Rede ist von meinem ganz persönlichen Fleckerlteppich.

Das mag auf den ersten Blick etwas seltsam anmuten, aber er ist ein Bestandteil dieser Firma und so wandelbar wie kein Zweiter. Er wird auch nicht nur von mir gehegt und gepflegt, sondern ist das Zentrum vieler Aktivitäten. Es geht sogar so weit, dass – sofern irgendwo ein Fleck ausbleicht oder herausfällt – sofort einer meiner Kollegen sich dazu verpflichtet fühlt, das freie Feld wieder zu füllen. Sonst erfüllt er ja nicht mehr seinen Zweck. Dabei ändert er natürlich munter und beständig seine Farben. Wie das nun einmal so ist, wenn ein Stück Stoff verschiedenen Einflüssen ausgesetzt wird.

Vielleicht sollte man erwähnen, dass er früher nicht so relevant war wie heute. Dass er mit der steigenden Mitarbeiterzahl auch gewachsen ist und sich dementsprechend mehr Leute um ihn kümmern. Schwer vorstellbar, aber kaum jemand von uns kann sich noch den Arbeitsalltag ohne ihn vorstellen. Er ist immer präsent, ist mehr als nur ein Fußabtreter, sondern der Mittelpunkt unseres ganzen Seins.

Als Außenstehender kann man sich jetzt eigentlich nur denken, dass hier jemand besonders kreativ sein will - oder an den Nachwehen eines Sonnenstichs leidet. Dem ist aber heute (zur Abwechslung) nicht. Und um die Verwirrung etwas zu verringern, sollte vielleicht erwähnt werden, dass unser Fleckerlteppich nicht ganz dem klassischen Begriff entspricht.

Unserer ist nämlich digital. Veränderbar. Jedem zugänglich, aber nun mal nur eine digitale Version seiner selbst. Unser Fleckerlteppich ist der farbenfrohe Terminkalender, der unsere Vergangenheit aufzeigt und versucht die Zukunft bereits in Farbe darzustellen. Das macht er auch ziemlich gut – bis auf den Veränderungsfaktor, der auch noch ein paar Stunden vor Terminen von statten gehen kann.

Ich liebe ihn nach wie vor. Auch wenn er teilweise zum Schauplatz von Terminkämpfen, der Hotspot für alle internen Aktivitäten und vielleicht in Zukunft sogar zu einer Tauschbörse für Termin-Slots wird. Ich erinnere mich an eine Zeit, wo ich alleine meine Fleckerl aussuchen durfte. Heute bin ich nur noch interaktiver Zaungast, der darauf vertrauen muss, dass jeder Einzelne weiß, welche Farbkombination den effektivsten Tagesablauf wieder spiegelt.

Und das mache ich auch – vertrauen auf die Einschätzung jedes Einzelnen unseres kunterbunten Haufens.

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