#metoo – in eigener Sache

Über Frauen und unsere Branche
laura.sprenger
24.10.17 | Laura Sprenger

Eine gute Freundin aus der gleichen Branche hat mir zuletzt erzählt, dass ein Arbeitskollege ihr vor ihren anderen KollegInnen gesagt hat: „Dein USP ist dein Arsch.“ Klingt im ersten Moment lustig und könnte auch als Kompliment missverstanden werden. Ist es aber beides nicht. Es ist die Reduzierung meiner Freundin auf Äußerlichkeiten und die Ignoranz ihrer fachlichen Qualitäten. Mich hat das nicht nur unheimlich geärgert, sondern auch zum Nachdenken angeregt.

#metoo – Und dabei geht es nicht mal ausschließlich um sexuelle Übergriffe, sondern um mich als Frau in einer Führungsposition. „Könnte das bitte dein Chef unterschreiben?“, „Na, Christoph, hast du wieder deine Assistentin mitgebracht?“, „Könntest du bitte deinen Chef fragen, ob das in Ordnung geht?“, „Ich arbeite lieber mit Männern zusammen.“… Nein, nein und noch mal nein.

Teilweise von langjährigen KundInnen, fast immer von chauvinistischen Männern, manchmal von unsicheren Damen und ganz selten sogar aus dem engeren Kreis: Die Frage, ob ich als Frau berechtigt bin, Entscheidungen zu treffen. Das Hinterfragen meiner Qualifikation auf Grund meines Geschlechts.

Bei uns ist die Firmen-Policy da glücklicherweise ganz eindeutig. Wer nicht mit mir oder einer meiner KollegInnen zusammenarbeiten möchte, weil wir Frauen sind, der wird auch nicht mit crossconnect zusammenarbeiten. Wer uns auf Afterworks respektlos behandelt, uns anzügliche WhatsApp Nachrichten schreibt, unangemessen betitelt oder gar begrapscht, der ist nicht länger willkommen.

Klingt einfacher gesagt als getan, denn kaum eineR in unserer Branche kann sich das leisten, da es leider viel häufiger passiert, als gedacht. Frauen wird häufig vorgeworfen, dass sie nicht eindeutig genug „Nein“ zu verbalen oder physischen Übergriffen sagen. Aber wie weitreichend so ein „Nein“ sein kann, wenn der nächste Auftrag, ein langjähriger Kunde oder langfristig gesehen sogar Arbeitsplätze davon abhängen, das bedenken leider die wenigsten.

Also bleibt zum Schluss nur eine Bitte, die in der heutigen Zeit gar nicht mehr notwendig sein sollte: Liebe Männer und auch liebe Frauen, bringt uns bitte nicht in die Situation, dass wir überhaupt erst „Nein“ sagen müssen.